Ausrüstung

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Anja, jeder kennt den Spruch: »Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung«. Aber was heißt das konkret? Was soll ich auf Hundeschlittentour anziehen?


Anja Kleeberg: Bekleidung soll für ein gutes Körperklima sorgen – man will weder überhitzen noch frieren. Im Winter stehen Wind- und Kälteschutz im Vordergrund. Konkret braucht man: Erstens eine winddichte und mit Daune oder Primaloft isolierte Außenschicht, zweitens eine variable Wärmeschicht aus Fleece und drittens Unterwäsche aus Kunstfaser oder Merinowolle.

Damit ist mir immer schön warm?

Genau genommen wärmt Kleidung nicht, sondern isoliert die Körperwärme. Ist man richtig ausgekühlt, hilft die beste Bekleidung wenig. Das ist beim Mushen aber kein Problem: wenn es trotz warmer Klamotten mal kühl wird, steigt man vom Schlitten ab und läuft selbst ein paar Schritte.

Was trägt man obenrum? Eine superleichte Daunenjacke?

Die äußere Schicht, also Jacke und Hose, muss winddicht sein, denn Wind kühlt am meisten aus. Auch beim Kontakt mit den Hunden ist das Außenmaterial gefordert. Also lieber eine etwas robustere Daunenjacke nehmen. Oder man zieht eine abriebfeste, winddichte Softshelljacke
über eine leichte Daunenjacke – beides kann man dann auch einzeln tragen. Als Isolationsmaterial ist Daune der Klassiker und ungeschlagen, was das Verhältnis Wärme- zu-Gewicht angeht.

Woran erkennt man eine gute Daunenjacke?

An Daunenqualität, Mischverhältnis und Konstruktion. Den Isolationswert von Daunen kann man messen (als fillpower angegeben), gute Werte beginnen bei 550, die Spitzenklasse liegt bei 650 bis 800. Unbedingt nachfragen! Auch nach dem Mischungsverhältnis – der Anteil von Daunen zu Federn sollte mindestens 80/20 betragen, besser noch 90/10. Die Federn kann man nicht weglassen, weil sie die Daune stabilisieren, aber je höher der Daunenanteil, desto besser. Zur Konstruktion: Durchgesteppte Nähte bilden Kältebrücken, deshalb bieten gute Jacken ausgeklügelte  Kammerkonstruktionen.

Haben Daunen auch Nachteile?

Einen: Nässe vertragen sie nicht, sie verklumpen und die Isolierung geht verloren. Das kommt eigentlich nicht vor, da es bei »Daunenjacken-
Temperaturen« ja nicht regnet, sondern schneit. Und wenn doch, helfen entweder ein wasserdichtes Außenmaterial oder eine Überjacke. Oder man wählt von vorneherein die Alternative zur Daune: Primaloft.

Was ist Primaloft?

Eine leichte, weiche Mikrofaser mit hervorragendem Wärmerückhaltevermögen. Der Oberstoff ist winddicht und stark wasserabweisend. Primaloft isoliert auch feucht noch gut und trocknet schnell. Das liegt vor allem an der Silikonisierung der Füllfasern – die Feuchtigkeitsaufnahme ist extrem gering. PrimaLoft ist sehr langlebig und hat eine hohe Rücksprungkraft; soll heißen: Die klein verpackte Jacke ist im Nu wieder im ursprünglichen, leicht aufgebauschtem Zustand. ‚Nachteil’ : etwas schwerer als Daune bei etwas geringerer Wärmeleistung.

Unter der Außenschicht trägt man Fleece, oder?

Genau. Fleece bietet ein gutes Wärme-zu-Gewichtsverhältnis und trocknet im Handumdrehen. Man unterscheidet nach Quadratmeter-Gewicht 100er-, 200er- und 300er-Fleece. 100er Fleece ist leicht, 300er am wärmsten. Am besten nimmt man eine dünnere und eine dickere Jacke bzw. Hose mit und kombiniert nach Bedarf.

Und die Funktionsunterwäsche?

Die trägt man als Basislayer direkt auf der Haut. Hier bloß keine Baumwolle benutzen, weil darin der Schweiß hängenbleibt und abkühlt. Dann friert man. Funktionsunterwäsche besteht aus Polyester, Nylon oder Polypropylen. Auch bei sehr sportlicher Aktivität leiten diese Materialien den Schweiß schnell ab und sind sofort wieder trocken. Wer Kunstfaser nicht auf der Haut mag, für den gibt‘s eine sehr empfehlenswerte Alternative: Unterwäsche aus
Merinowolle.

Aber Wolle kratzt doch…

Nicht die der Merinoschafe, sie ist extrem fein und wesentlich geruchsneutraler als Kunstfaser-Unterwäsche. Auf Tour kann man sie problemlos auch mehrere Tage tragen.

Das ist ja ein Haufen Zeug …

Nicht wirklich. Man kombiniert nach dem sogenannten Zwiebelprinzip, zum Beispiel zieht man bei Pausen eine Fleecejacke mehr an – so kommt man mit wenigen Teilen, die eine Art Baukasten bilden, aus. Kombinieren statt frieren …

Soviel zur Bekleidung. Hast du noch ein paar Tipps für Hundeschlittentouren?

Neben geeigneten Stiefeln mit Innenschuh und einer Handschuh-Kombi aus Innen- und Außenhandschuh braucht man eine wirklich gute Sonnenbrille, weil der Schnee das Licht reflektiert. Die Stirnlampe sollte über ein externes Batteriefach verfügen, so kann man die Batterien am warmen Körper tragen und sie halten wesentlich länger. Und vielleicht am wichtigsten: ein ausreichend warmer Schlafsack. Das ist eine Wissenschaft für sich – die Temperaturangaben der Hersteller sind nur Richtwerte, dafür sind Details wie Wärmekragen und Kapuze unglaublich wichtig. Da ist individuelle Beratung gefragt – die bekommt man bei Globetrotter Ausrüstung in den Filialen, aber auch online unter www.globetrotter.de.